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Jan O. Jentsch ist Geschichtenerzähler. Doch nicht irgendeiner. Mit seinem Label Woodthings hat er sich auf die Fertigung individueller Möbelstücke aus altem Holz spezialisiert. Jedes seiner Designs kann dabei auf seine ganz eigene Geschichte zurückblicken, erzählt von fernen Orten und aufregenden Ländern, von Menschen, die ihm begegnet sind. Wir haben mit Jan über Upcycling und Verantwortung gesprochen, warum er neben dem Agenturleben gerne neue Wege einschlägt und Musik, die in seinen Ohren summt.

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Hallo Jan, als Inhaber einer Agentur für Corporate Design und Packaging kommst Du aus einer anderen Richtung, wie kam es zu Woodthings?
Das fing schon während des Studiums an. Ich mochte die Fächer, in denen es ums Zeichnen, Modellieren und Bauen ging, z.B. Kurse bei Bildhauern oder das Leichenzeichnen in der Medizinischen Hochschule Hannover. Letztlich macht es mich glücklich, am Ende des Tages etwas in den Händen zu halten, zu sehen und zu riechen, was ich erschaffen habe. In der Agentur haut man den ganzen Tag in die Tasten, verschickt die Arbeit per Knopfdruck und sieht das Ergebnis erst viel später. Allerdings ergänzt sich beides auch wieder. Logo, Messe und Internetauftritt für Woodthings sind von mir.

Oft ist die Rede von „dieses Möbelstück hat Persönlichkeit“ – warum trifft das auf Deine Möbel ganz besonders zu?
Es sind die Spuren im Holz, die ganz explizit die Persönlichkeit meiner Möbel ausmachen. Außerdem steckt in jedem Stück viel meiner eigenen Persönlichkeit. Von der ersten Skizze bis zum eingebrannten Logo und einer individuellen Nummer, die jedes Stück eingeschlagen bekommt. Nicht selten muss ich während der Herstellung kreativ werden, wenn das Material Überraschungen bereithält, sich plötzlich ein Riss im Holz auftut oder die Maserung anders auf farbige Beizen reagiert als das umliegende Holz. Das ist bei jedem Stück anders, weil ich nur individuelle Möbel fertige.

Worin besteht die größte Herausforderung beim Upcycling?
Es geht darum das Holz zu verstehen und sich darauf einzulassen, dass es nicht mehr das perfekte, glatt geschliffene Holz aus Baumärkten ist, sondern sein Eigenleben führt, auch mal krumm ist und deutliche Spuren des Gebrauchs aufweist. Aber genau um die geht es mir! Sie zu erhalten ist Teil meiner Geschichte und der des Holzes. So belasse ich Spuren wie Nägel, eingedrückte Steine, Abdrücke von Bohrkronen oder Astlöcher.

„Meine Möbel sind nicht schnurgerade – aber sie sind stabil, halten eine Menge aus und verzeihen auch neue Spuren, die die Geschichten weitererzählen.“

Ein verantwortungsbewusster Umgang mit unserer Umwelt ist in jeder Deiner Arbeiten ein zentrales Thema. Warum ist Dir ein nachhaltiges Wirtschaften so wichtig?
Alles ist wahnsinnig schnelllebig, man konsumiert nur noch, schmeißt weg, was übriggeblieben ist. Die Leidtragenden sind die Generationen nach uns. Natürlich konsumiere ich auch, aber mit meinen Woodthings möchte ich zumindest einen kleinen Teil dazu beitragen, dass unsere Ressourcen geschont werden.

Wenn ein Design für Dich funktional ausgeklügelt ist, dann ist es… ?
Erst der Anfang. Nur die Kombination aus Funktionalität, Form und Geschichte macht es perfekt. Hier lasse ich mich bewusst auch auf die Vorstellungen und Wünsche meiner Kunden ein, schließlich sind sie die neuen Besitzer des Woodthings.

Wenn Du Deinem Label einen Song geben müsstest, welcher wäre es?
Ich mag den Song „65 Mustang“ von Five for Fighting. Er handelt von einem 65er Mustang, der Geschichten einer Familie erzählt, in dessen Besitz er seit Generationen ist. Bestenfalls sollen das auch meine Woodthings können, wenn sie von Generation zu Generation weitergereicht werden.

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