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Es ist wirklich ein Schmuckstück: mercier & camier im Hamburger Literaturhaus zählt zu den schönsten Cafehäusern der Hansestadt. Nur wenige Schritte von der Außenalster entfernt, ist das traditionsreiche Haus mit seinem prachtvollen Saal bei Hamburgern wie bei Besuchern gleichermaßen beliebt.

Die ereignisreiche Geschichte des Literaturhauses geht bis in das Jahr 1868 zurück. Schon bald nach der Fertigstellung der Reihenhausvilla wird angebaut und im neuen Gartensaal finden Feste und Konzerte statt. Doch diese Idylle währt nicht lange. In den folgenden Jahrzehnten wird das herrschaftliche Haus auf unterschiedlichste Weise genutzt, die längste Zeit als Mädchenheim. Nach dessen Schließung 1985 verfällt die Villa zusehends.

Erst der neu gegründete Literaturhaus e.V., der die unrenovierten Räume bezieht und nach fast fünfzig Jahren erstmal wieder für die Öffentlichkeit zugänglich macht, bewahrt das architektonische Kleinod vor weiterem Verfall. Und es soll noch besser kommen: Die ZEIT Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius erwirbt das Gebäude, trägt gemeinsam mit der Stadt Hamburg und dem Kaufmann Eddy Lübbert aus Bremerhaven die Renovierungskosten. Und dann ist es soweit: Am 12. September 1989 wird das Literaturhaus feierlich wiedereröffnet.

Heute ist von den Turbulenzen der Vergangenheit nichts mehr zu spüren. Der Gast sitzt an weiß eingedeckten Tischen, widmet sich den Köstlichkeiten vom Kuchenbuffet und blinzelt zufrieden in die glitzernden Facetten der riesigen Kronleuchter, die den Gartensaal erhellen. Oder er macht es sich in einem der Räume im oberen Stockwerk gemütlich. Die können nämlich einen stattlichen Balkon mit Alsterblick für sich verbuchen. Sowohl der Saal als auch das Obergeschoss werden für Lesungen und Literaturveranstaltungen genutzt – und diese finden fast täglich statt. Die erste Liga der Autoren gibt sich dort die Klinke in die Hand, um dort ihre neuen Werke vorzustellen, darunter der amerikanische Schriftsteller James Ellroy. Sein Kriminalroman „L.A. Confidential“ diente bekanntlich als Vorlage für den oscarprämierten Film mit Kim Basinger und Russell Crowe.

Doch zurück zum Caféhaus. Wem der Sinn nicht nach Kuchen steht, findet in der Karte auch herzhafte Gerichte. Sehr schön ist, dass man auch an Allergiker denkt, für sie gibt es nämlich spezielle Angebote. Außerdem sollte man unbedingt auch einen Blick auf die gut sortierte Wein- und Champagnerkarte werfen.

Noch ein Tipp: Die Bar von mercier & camier ist der perfekte Ort für das erste Date: gutes Publikum, keine nervige Musik, dazu ein leicht intellektueller Touch. Und wenn „sie“ nicht auftaucht – der Drink schmeckt auch so. Anke Bracht

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