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Die Krawatte hat es nicht leicht; vorbei die Zeiten, da in exklusiven Restaurants und Casinos Krawattenpflicht herrschte. Selbst vor Gericht erscheinen die Anwälte heute „oben ohne“ und wer genau hinschaut, entdeckt auch bei Tagesschausprechern einen gewissen Hang zum Legeren. Was aber eigentlich schade ist, denn Krawatten sind kleine Kunstwerke und schmücken ungemein – zumindest dann, wenn sie aus dem Hause Laco sind.

Die Geschichte von Laco geht bis in das Jahr 1838 zurück, das ist in sofern erstaunlich, als es damals noch keine Krawatten gab, wie wir sie heute kennen. Tatsächlich machte Gründer Charles Lavy aus London sein Geschäft hauptsächlich mit Anzügen und Schirmen, erst ab 1872 entwickelte sich Lavy & Co. – später kurz Laco – zu einem der führenden Krawattenproduzenten Deutschlands. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte die Manufaktur ihre Blütezeit; mehr als 500 Angestellte arbeiteten damals im Produktionsgebäude an der Hamburger Bleichenbrücke. Eine Bombe des Zweiten Weltkriegs zerstörte 1943 Manufaktur und Lager – die Eigentümer mussten noch einmal ganz vorn vorne anfangen.

Heute sitzt das Unternehmen in Hamburg Bahrenfeld, wo nach wie vor jede Krawatte von Hand hergestellt wird – und zwar ausschließlich aus Seidenstoffen, die nach Vorlagen von Chefin Jessica Bartling gewebt und bedruckt wurden. Zwei Kollektionen entwirft sie pro Jahr, jede umfasst an die 200 Entwürfe. Für mehrere Monate ist die Cravatière regelmäßig in Italien und begleitet dort die Produktion der Seidenstoffe, die in der Hansestadt zu Krawatten, Schleifen, Kummerbunden und Tüchern verarbeitet werden.

Die Muster sind zum überwiegenden Teil klassischer Natur und erzählen viel über die Entstehung des Accessoires – wie der Regimentsstreifen zum Beispiel. Er wird Studenten des Exeter College der Universität Oxford zugeschrieben, die sich nach einem Regattasieg ihre in Vereinsfarben gestreiften Hutbänder um den Hals knoteten – die Clubkrawatte war geboren. Heute zählen die „regimental stripes“ zur Grundausstattung des sportlich-eleganten Mannes. Ebenfalls mit einer interessanten Geschichte verknüpft ist das Paisleymuster, benannt nach der schottischen Textilstadt. Es wird berichtet, dass britische Soldaten Kaschmirshals aus Indien mitbrachten, deren florale persische Muster in Paisley übernommen und von dort aus verbreitet wurden. Und was die ebenfalls aus Schottland stammenden Tartans betrifft – die Karomuster der Kilts zeigten ursprünglich die Zugehörigkeit zu einem Clan an.

Ganz gleich ob Streifen, Florales oder Karo: Zu den Fans der Marke zählte schon Franz Josef Strauß und auch Altkanzler Helmut Kohl trägt Krawatten aus der Hamburger Manufaktur. Übrigens hat sich auch schon Nationalspieler Jéròme Boateng als Laco-Träger entpuppt. Das macht Hoffnung. Denn was Fußballer in Sachen Mode bewegen können, stellt Kollege David Beckham ja schon seit Jahren unter Beweis. Anke Bracht

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